Kreuzfahrten können großartig sein. Trotzdem wäre es falsch, nur über Sonnenuntergänge, Buffets und Traumhäfen zu sprechen. Wo Tausende Menschen reisen, wohnen und versorgt werden, entstehen zwangsläufig auch Probleme.
Gleichzeitig wird über kaum eine Reiseform so emotional diskutiert. Deshalb lohnt sich ein Blick darauf, was tatsächlich kritisch ist – und was oft zu pauschal dargestellt wird.
1. Umwelt: Kreuzfahrten brauchen sehr viel Energie
Dass große Kreuzfahrtschiffe einen erheblichen Energiebedarf haben, lässt sich nicht wegdiskutieren. Antrieb, Klimaanlage, Küchen, Wasseraufbereitung und Tausende Kabinen müssen rund um die Uhr versorgt werden.
Gleichzeitig verändert sich die Technik. Neuere Schiffe nutzen beispielsweise LNG, alternative Kraftstoffe oder Landstromanschlüsse, und internationale Vorschriften begrenzen verschiedene Luft- und Meeresemissionen.
Auch Abwasser und Müll dürfen nicht einfach beliebig ins Meer entsorgt werden. Dafür gelten internationale Regeln und auf den Schiffen arbeiten entsprechende Aufbereitungs- und Entsorgungssysteme.
Mein Blick darauf: Kreuzfahrten sind nicht „grün“. Gleichzeitig ist die Aussage, moderne Schiffe würden ihren gesamten Müll und ihre Abwässer einfach hinter sich ins Meer kippen, ebenfalls falsch.
2. Sind Kreuzfahrtschiffe schwimmende Seuchenherde?
Nein. Trotzdem gibt es einen nachvollziehbaren Grund, warum man immer wieder von Norovirus-Ausbrüchen auf Schiffen hört: Viele Menschen teilen auf engem Raum Restaurants, Aufzüge, öffentliche Bereiche und Sanitäranlagen.
Wird ein Erreger an Bord gebracht, kann er sich entsprechend schnell verbreiten. Deshalb gibt es umfangreiche Hygiene- und Reinigungsmaßnahmen.
Bei einem größeren Ausbruch können unter anderem Reinigung und Desinfektion verstärkt, Abläufe angepasst und erkrankte Gäste oder Crewmitglieder zeitweise isoliert werden.
Als Gast hilft vor allem etwas ziemlich Unspektakuläres: gründlich Hände waschen und bei Krankheitssymptomen nicht einfach weitermachen wie bisher.
3. Massentourismus ist ein reales Problem
Besonders sichtbar wird die Kehrseite der Kreuzfahrt in kleinen, sehr beliebten Häfen. Wenn mehrere große Schiffe gleichzeitig anlegen, treffen innerhalb weniger Stunden Tausende Besucher auf einen Ort, der dafür ursprünglich nie ausgelegt war.
Das kann zu überfüllten Altstädten, Verkehr und Konflikten mit Einwohnern führen. Deshalb versuchen verschiedene Destinationen inzwischen, Kreuzfahrtverkehr stärker zu steuern oder zu begrenzen.
Als einzelner Gast löst man das Problem natürlich nicht. Trotzdem kann man bewusst reisen: lokale Restaurants besuchen, bei kleinen Anbietern buchen und nicht jeden Hafen nur als schnelle Fotokulisse behandeln.
4. Wie hart sind die Arbeitsbedingungen der Crew?
Die Arbeit an Bord kann deutlich härter sein, als Gäste es wahrnehmen. Lange Verträge, lange Arbeitstage und über Wochen kein klassischer freier Sonntag gehören je nach Position zum Crewleben.
Gleichzeitig ist das Thema komplizierter als die pauschale Aussage „Crew wird grundsätzlich ausgebeutet“. Bezahlung, Vertragsdauer und Arbeitsbedingungen unterscheiden sich erheblich nach Reederei, Position, Nationalität und Vertrag.
Für manche Crewmitglieder ist die Arbeit auf See finanziell sehr attraktiv, für andere sind bestimmte Bedingungen durchaus kritisch zu sehen.
Aus meiner eigenen Zeit als Crewmitglied bleibt für mich vor allem eines: Ein freundlicher Umgang und ein ehrliches Danke kosten nichts, machen im Arbeitsalltag aber einen Unterschied.
5. Buffets und Foodwaste
Tausende Gäste bedeuten auch Tausende Mahlzeiten. Küchen, Kühlräume, Spülmaschinen und Wäschereien benötigen entsprechend viel Energie und Wasser.
Gleichzeitig entsteht Lebensmittelabfall. Moderne Küchenplanung versucht zwar immer genauer vorherzusagen, wie viele Speisen tatsächlich benötigt werden, komplett vermeiden lässt sich Verschwendung bei dieser Größenordnung aber nicht.
Auch Gäste tragen dazu bei. Gerade am Buffet ist die einfachste Lösung ziemlich banal: lieber eine kleine Portion nehmen und anschließend noch einmal gehen, als einen halben Teller stehenzulassen.
Mein Fazit
Kreuzfahrten haben Schattenseiten. Umweltbelastung, Massentourismus, Ressourcenverbrauch und teilweise harte Arbeitsbedingungen sollte man nicht wegreden.
Genauso wenig hilft es aber, aus jedem Kritikpunkt eine pauschale Horrorgeschichte zu machen.
Für mich gehört beides zusammen: die Faszination für diese Art zu reisen und gleichzeitig das Bewusstsein dafür, dass ein schwimmendes Hotel mit mehreren Tausend Menschen nicht ohne Auswirkungen funktioniert.
