Wie funktioniert ein Kreuzfahrtschiff eigentlich?

Mehrere Tausend Menschen schlafen, essen, duschen und verbringen teilweise tagelang mitten auf dem Meer – mit Licht, Klimaanlage, Restaurants, Toiletten und fließendem Wasser.

Hinter den Gästebereichen steckt deshalb eine enorme technische Infrastruktur. Ein modernes Kreuzfahrtschiff funktioniert in vielen Bereichen tatsächlich wie eine kleine schwimmende Stadt.

Woher kommt der Strom?

Der Strom kommt nicht einfach aus einer riesigen Batterie. Kreuzfahrtschiffe besitzen mehrere leistungsstarke Generatoren, die abhängig vom Schiff beispielsweise mit Marinediesel oder LNG betrieben werden.

Sie versorgen praktisch alles an Bord: Beleuchtung, Küchen, Aufzüge, Klimaanlage, Pumpen, Unterhaltungselektronik und auf vielen modernen Schiffen auch die elektrischen Antriebsmotoren.

Mehrere Generatoren haben außerdem einen wichtigen Vorteil: Die benötigte Leistung kann an den tatsächlichen Energiebedarf angepasst werden und das Schiff ist nicht von einer einzigen Maschine abhängig.

Wie wird aus Meerwasser Trinkwasser?

Ein Schiff benötigt jeden Tag enorme Mengen Frischwasser. Einen großen Teil davon können moderne Kreuzfahrtschiffe selbst produzieren.

Dafür wird Meerwasser beispielsweise mittels Umkehrosmose oder Verdampfung entsalzt und anschließend entsprechend aufbereitet.

Zusätzlich kann Trinkwasser in Häfen übernommen werden. Das Wasser an Bord kommt also je nach Schiff und Reise aus einer Kombination verschiedener Quellen.

Warum klingt die Toilette so merkwürdig?

Wer zum ersten Mal die Toilettenspülung auf einem Kreuzfahrtschiff betätigt, merkt sofort: Das funktioniert anders als zu Hause.

Viele Schiffe verwenden ein Vakuumsystem. Durch den Unterdruck wird für die Spülung deutlich weniger Wasser benötigt.

Dafür reagiert das System empfindlicher auf Dinge, die dort nicht hineingehören. Feuchttücher, Hygieneartikel und anderer Müll gehören deshalb immer in den Abfalleimer und nicht in die Toilette.

Was passiert mit dem Abwasser?

Abwasser wird auf modernen Kreuzfahrtschiffen gesammelt und behandelt. Dafür befinden sich technische Aufbereitungsanlagen an Bord.

Wann und unter welchen Bedingungen behandeltes Abwasser ins Meer eingeleitet werden darf, ist international unter anderem durch MARPOL geregelt. In bestimmten Gebieten gelten zusätzliche Einschränkungen.

Ein Teil kann außerdem in Häfen an entsprechende Anlagen abgegeben werden. Die Vorstellung, dass sämtliche Abwässer einfach ungefiltert hinter dem Schiff verschwinden, beschreibt den normalen Betrieb eines modernen Kreuzfahrtschiffes also nicht korrekt.

Und wohin kommt der ganze Müll?

Bei mehreren Tausend Menschen entstehen täglich große Mengen Abfall. Deshalb gibt es unter Deck eigene Bereiche für die Müllverarbeitung.

Abfälle werden je nach Art getrennt, gesammelt, teilweise verdichtet oder anderweitig behandelt und später an Land abgegeben.

Auch für die Entsorgung auf See gelten klare internationale Regeln. MARPOL verbietet grundsätzlich das Einleiten von Müll ins Meer, sieht für einige wenige Kategorien wie bestimmte Lebensmittelabfälle jedoch genau geregelte Ausnahmen vor.

Kann ein Kreuzfahrtschiff eigentlich umkippen?

Kreuzfahrtschiffe werden so konstruiert und beladen, dass sie eine hohe Stabilität besitzen. Rumpfform, Gewichtsverteilung und Ballasttanks spielen dabei eine wichtige Rolle.

Zusätzlich ist der Rumpf in wasserdichte Bereiche unterteilt. Schotten und wasserdichte Türen sollen verhindern, dass sich eindringendes Wasser unkontrolliert durch das gesamte Schiff ausbreitet.

Ganz ausgeschlossen sind schwere Schiffsunfälle natürlich nie. Moderne Passagierschiffe unterliegen aber umfangreichen internationalen Sicherheits- und Stabilitätsvorschriften.

Eine schwimmende Kleinstadt

Besonders beeindruckend wird die Technik, wenn man sich vor Augen führt, was gleichzeitig passieren muss.

  • Tausende Mahlzeiten werden täglich zubereitet.
  • Große Mengen Bettwäsche und Handtücher werden gewaschen.
  • Trinkwasser wird produziert und verteilt.
  • Abwasser und Abfälle werden verarbeitet.
  • Restaurants, Kabinen und öffentliche Bereiche brauchen rund um die Uhr Energie.

Und während all das passiert, bewegt sich das komplette System auch noch von einem Hafen zum nächsten.

Mein Fazit

Als Gast sieht man meistens nur einen kleinen Teil davon. Man dreht den Wasserhahn auf, lädt sein Handy, geht essen und drückt die Toilettenspülung.

Hinter jeder dieser scheinbar selbstverständlichen Funktionen steckt auf einem Kreuzfahrtschiff jedoch ein eigenes technisches System. Genau das macht für mich einen Teil der Faszination aus: Im Hintergrund arbeitet rund um die Uhr eine komplette Infrastruktur, während man oben an Deck sitzt und aufs Meer schaut.